Einführung zum Antiphonar (2011)

Einführung in das Singen der Introituspsalmen mit den Antiphonen zu den Texten der Leitverse und Wochensprüche nach der Notation im Evangelischen Gesangbuch. Es folgen einige Hinweise zu den Psalmtonmodellen:

 Das Initium ist eine Überleitung von der Antiphon zum Psalmvers. Wenn die Antiphon nach jedem Psalmvers wiederholt werden sollte, was z B. beim Singen während der Austeilung des Heiligen Abendmahls üblich ist, wird es dann jedes Mal gesungen.

Die Flexa (Beugung) wird nur angewendet, wenn es sinnvoll ist, die erste Vershälfte zu teilen.

Beispiel 1:
Beispiel 2:  
Beispiel 5:  

 

Noten, die durch Striche begrenzt sind, können verdoppelt werden, bei der Tuba (Rezitationston) können sie wiederholt werden, so oft es notwendig ist.

Die Mediatio (Mittelschluss) besteht im I. und VII. Psalmton aus zwei Akzentgruppen: die vorletzte und letzte betonte Silbe mit je ein oder zwei nachfolgenden unbetonten Silben. Dadurch können im Ausnahmefall Silben wie „-heit“ oder „-keit“ unter der Akzentnote stehen, jedoch ohne dass sie betont werden.

Beispiel 4:  

 

Nur eine Akzentgruppe haben der II.,V. und VIII. Psalmton, im IV. werden vor der Silbe mit Akzent zwei Silben abgezählt. Ist die Silbe am Ende der Mediatio betont, so verschiebt sich der Akzent auf die letzte Note des Modells. Dann müssen bis zur Abweichung von der Tuba drei Silben abgezählt werden (s. Karsamstag 2. und 4. Vers).

Die Terminatio (Schluss) hat im V. und VII. Psalmton zwei Akzentgruppen, im IV. eine, im I., II. und VIII. eine Akzentgruppe mit davor abzuzählenden Silben.

Der Apostroph vor einer Silbe bezeichnet den Akzent. Der Akzentton darf nicht verdoppelt werden.

In der deutschen Sprache kommt es vor, dass bei der Mediatio oder Terminatio nach einer betonten zwei unbetonte Silben folgen, danach eine betonte Silbe am Schluss. Wenn für die Sprachmelodie nötig, gibt es für diesen Fall besondere Regeln, musikalisch „Correpta“ genannt: Beim II., V. und VIII. Psalmton bleibt in der Mediatio die Correpta auf dem Akzentton stehen,

Beispiel 7:  

 

bei der Terminatio kann der Akzent auf den Schlusston verschoben werden.

Beispiel 6:  

 

Bei allen Schlüssen mit zwei Akzentgruppen kann man nach der vorletzten betonten Silbe drei Silben abzählen (s. Gründonnerstag 2. und 3. Vers).

Beispiel 3:  

 

Die Correpten sind oft ausgeschrieben.

Die Unterstreichung von bestimmten Silben ist eine Hilfe für den Sänger, um die Abweichung von der Tuba zu signalisieren.

Der gesungene Text ist den Wortbetonungen anzupassen, die betonten Silben

werden (leicht!) gedehnt, die unbetonten werden (ein wenig) schneller gesungen. Letzteres gilt besonders für die Ligaturen (zwei oder mehr Noten auf einer Silbe). Man singt, wie man spricht, aber in stetigem Fluss.

Ein „Episem“ (Dehnstrich) über einer Note deutet an, dass sie voll ausgesungen werden soll und ein wenig gedehnt werden kann.

Übereinander stehende Noten werden von unten nach oben gesungen.

Der Psalmtext wird bei der Antiphon zum Wochenspruch nicht noch einmal ausgeschrieben, wenn die Unterstreichungen übereinstimmen.

Hier werden die verwendeten Psalmtonmodelle vorgestellt. Die Ziffern verweisen auf entsprechende Beispiele.

(Den Entwurf und einige Hörbeispiele eines Antiphonars (2011) zum Evangelischen Gottesdienstbuch finden Sie > hier.)